Eine erotische Hommage an die unsterblichen Comics (oder so)

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Kopfkino, einmal indirekt inszeniert!

Zu dieser kleinen Spielerei wurde ich von der Kurzgeschichte „Sexplosion“ des großen Stanislaw Lem inspiriert. Wer´s nicht kennt: Leseempfehlung! Gibt´s auf Englisch frei im Netz.

An die Anwälte des Asterix-Verlags: Das hier ist Satire und daher von Art. 5 GG gedeckt. Hab´s persönlich mit dem Bundesverfassungsgericht abgeklärt, schwöre!

Dingo666

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Liebe Leserin, lieber Leser,

angesichts des demnächst erscheinenden neuen Asterix-Bandes „Das Hinkelsteinchen des Asterix“ hier eine exklusive Vorab-Rezension. Lohnt es sich, den Teil zu kaufen und zu den anderen 435 Ausgaben ins Regal zu stellen? Die folgende, literarisch zweifellos hochwertige Rezension wird Sie darüber in allen schmutzigen Details informieren.

Sicher kennen und lieben Sie die Asterix-Reihe, wie auch der Verfasser dieser Zeilen. Wir alle ließen uns früher verzaubern vom unschuldigen Treiben der unbeugsamen Gallier ihr ihrem unbesetzten Dorf, unerhört unernst in Szene gesetzt von Goscinny und Uderzo, den unbestrittenen Göttern des Comic-Himmels.

Jaja, die gute alte Zeit! Die unerotische Zeit, um es präziser zu fassen. Das Maximum an Verweisen auf das Spiel der Geschlechter findet sich in „Asterix und Kleopatra“. Hier spielt der Zinken der Regentin eine ebenso zentrale wie zweideutige Rolle.

Ansonsten Fehlanzeige. Man könnte sogar vermuten, dahinter steckt eine Botschaft. Warum sonst würden die Autoren die einzige erkennbare Sexbombe des Dorfes als Frau des schätzungsweise 120-jährigen Methusalix einsetzen? Oder ist das ein zarter Hinweis auf eine Vorliebe für die Kategorie „Betagt“?

Leider verstarb der Texter René Goscinny schon 1977, Zeichner Uderzo machte alleine weiter. Ein Teil des feinen Humors ging zweifellos verloren. Doch wir verziehen das und hielten zu unseren Helden. Wir kauften und lasen dennoch „Die Odyssee“ oder „Asterix im Morgenland“.

Und wir rieben uns die Augen, als vermehrt auch die körperliche Liebe und ihre Konsequenzen eine Rolle spielte. Wie sonst wäre „Der des Asterix“ oder „Die des Vercingetorix“ zu erklären? Auch Schülern der Grundstufe muss doch bereits beim Lesen des Titels plastisch vor Augen stehen, auf welche kopulationstechnische Weise Söhne und Töchter entstehen. Bis heute ist es unbegreiflich, warum diese Werke nicht auf dem Index landeten.

Nun scheint die nächste Stufe dieser obszönen Degeneration erreicht. Der Verfasser dieser Zeilen konnte sich ein Vorab-Exemplar des brandneuen Bandes „Das Hinkelsteinchen des Asterix“ sichern (danke, Emmanuel M.!). Die Lektüre des schockierenden Inhalts lässt mir immer noch die Finger zittern und erschwert das Tippen auf der Tastatur.

Doch gerade deshalb sehe ich es als meine heroische Pflicht, Sie vor diesem Machwerk zu warnen. Oder es Ihnen zu empfehlen, falls Sie auf obszöne, degenerierte, schockierende Machwerke stehen. Was aber für brave LIT-Leser ausgeschlossen sein dürfte, was rede ich denn!

Packen wir den Auerochs gleich bei den Hörnern und beginnen beim zentralen Thema, dem Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Wir erfahren endlich, warum die Gallier so lange, so dicke, und so verdächtig phallusähnlich geformte Nasen haben. Muss ich mehr dazu sagen?

Ich lasse es mir ja noch gefallen, wenn Majestix es seiner Gutemine mal mit dem Riechorgan besorgt — angesichts seines bedenklichen Bauchumfangs dürften andere, normalere Techniken ohnehin nicht in Frage kommen. Aber muss Troubadix sie unbedingt gleichzeitig anal-nasal verwöhnen?

Einerseits präzise beobachtet, denn die verhältnismäßig dünne Nase des beliebten Dorfbarden ist für so einen Einsatz perfekt geformt. Wahrscheinlich wurde das in den geheimen Exposés der Serie schon Anfang der 1960er-Jahre so für diesen Zweck geplant.

Andererseits torpediert das jede glaubhafte Charakterzeichnung, denn Troubadix´ Harfe spielt bei diesem Akt keine Rolle. Überhaupt keine – ist das denn zu fassen? Wäre es denn so schwierig gewesen, beispielsweise die Nippel von Gutemine zwischen die Saiten zu klemmen und beim Akt ein wenig Musik zu machen? Seufz!

Noch schlimmer sind die Episoden, die in Rom spielen, an Cäsars Hof. Die Römer hatten schon immer kleinere Nasen als die Gallier, eine klare Metapher für die zugehörigen Gehänge und Potenzkräfte der Protagonisten. Doch es ist einfach zu viel des Guten, den Untergang des römischen Imperiums in direkten Zusammenhang mit der Länge des Riechorgans zu bringen. Das ist eine Hypothese, die weder historisch-biologistisch, noch gesellschaftspolitisch in die heutige Zeit passt. Man muss sich ja ohnehin fragen, warum nicht sämtliche Asterix-Ausgaben längst komplett überarbeitet und die vielen chauvinistisch-rassistischen Exzesse getilgt sind. Ich sage nur: Die Nubier!

Geradezu realistisch hört sich dagegen der zentrale Plot an. Miraculix findet beim Mistelschneiden im Wald ein Pilze, die nach dem Verzehr zu allerlei erotischen Visionen führen. Süß, wie er dabei seine Liebe für den kleinen Idefix entdeckt! Doch das törnt ihn so an, dass er versehentlich in einen Kessel mit frisch gebrautem Zaubertrank wichst.

Asterix ist der erste, der das Malheur bemerkt. Er stößt alleine auf eine Römerpatrouille, zückt sein Fläschchen, und muss feststellen, dass seine Kräfte nicht ins Übermenschliche wachsen. Seine Erektion sehr wohl. Der Zeichner machen hier das Maximum aus der eng anliegenden Beinmode der Gallier, das muss man ihm zugestehen.

Die Römer sind sofort fasziniert, und anstelle der üblichen Klopperei entsteht eine improvisierte M/MMMMM-Orgie im Gebüsch. Nur die Wildschweine sehen zu — und warum die nicht integriert werden, trotz ihrer perfekt prädestinierten Riechorgane, das weiß alleine die Zensur.

Es beginnt ein wildes Geschacher um die neue Rezeptur des Zaubertranks, jeder will das Gebräu haben. Die Briten, um ihr eigenes Ding zu machen, da drüben auf ihrer Insel — keine Ahnung, was damit gemeint sein soll. Die Spanier, um den Stierkampf durch andere, frivolere Spiele zu ersetzen. Die Römer sowieso, aus genannten Gründen. Ja, sogar die Piraten greifen nach dem Kessel, werden jedoch wie üblich versenkt.

Ein Teil der geschilderten Entwicklungen ist dabei durchaus plausibel. Die 69er-Nummer, die Asterix mit Falbala schiebt, gehört zu den romantischsten Momenten der gesamten Seriengeschichte. Sie lutscht sein dauererregtes Hinkelsteinchen, und er besorgt es ihr mit der Nase — das hat das Zeug zum Klassiker. Doch die groteske Übertreibung, als Obelix ins Spiel kommt, zerstört das zarte Pflänzchen ehrlicher Erotik. Denn Obelix trägt, wie man hinreichend weiß, ein Gerät einer grotesk geileren Größenordnung mit sich herum.

So bleibt zu konstatieren: Trotz lobenswerter Ansätze kommt diese Geschichte niemals richtig zum Höhepunkt, um im Sprachduktus des Sujets zu bleiben. Zu unglaubwürdig, zu unerhört, zu ungallisch fallen die nasalerotischen Eskapaden der Helden aus. Auch der traditionelle Dorf-Gangbang zum Abschluss kann diese Lücke nicht füllen. Und das, OBWOHL hier die Wildschweine endlich zu ihrer eigentlichen Rolle finden, d.h. im gut durchgebratenen Zustand allerlei Fetisch-Funktionen übernehmen.

Ihnen, liebe Connaisseure gepflegter erotischer Hochkultur, möchte ich daher die Produkte anderer Kreativschaffenden ans Herz legen. Wie wäre es beispielsweise mit „Captain Copulation“, aus dem Hause Marvel? Oder „Batman and Robin, 12 + 10 Inches“, von DC Comics? Ja, sogar Disney wagt sich auf neue Geschäftsfelder und hat kürzlich „Donald Duck und der dreiste Dreier“ veröffentlicht. Der Markt bietet also genügend Auswahl.

Mit dieser Empfehlung verabschiede ich mich für heute. So, und jetzt muss ich dringend die brandneue „Herr der Penisringe“-Trilogie lesen. Sauron unternimmt einen neuen Anlauf und versucht, Mittelerde mittels eines Online-Versands für magisches Sexspielzeug zu erobern. Klingt vielversprechend, har har.

Ergebenst

Ihr Dingo666

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